Würde

Mir fällt auf, dass ich zum Begriff Würde noch nie eine explizite Definition gelesen habe. Viel mehr hat sich anhand von Erfahrungen und Geschichten eine intuitive Ahnung zu dem Begriff Würde in mir eingestellt. Ich möchte gerne diese intuitive Ahnung der Würde unterstützen als bei dem Versuch Würde zu definieren, sie mit Gedanken und Worten zu besudeln. Für mich ist Würde etwas Heiliges, ein zartes Pflänzchen, das mit äußerste Achtung gepflegt werden sollte.

Zur Pflege dieses sehr unfassbaren aber essentiellen Pflänzchens, möchte ich mich gerne auf ein Konstrukt stützen, das den Begriff Erfüllung näher erläutert.

Ein Weiser aus Indien sagt, dass jeder Mensch im Grunde nach Erfüllung strebt. Wenn wir Erfüllung im Geiste erfahren, nennen wir es Frieden und Freude. Geschieht dies auf körperlicher Ebene, so empfinden wir es als Gesundheit und Vergnügen. Wenn wir Erfüllung im emotionalen Bereich empfinden, sagen wir Liebe und Leidenschaft dazu. Wenn wir im energetischen Feld erfüllt sind, erfahren wir es als Segen und Ekstase.

Um in die Lage versetzt zu werden, seine Ziele im Leben zu erreichen, dessen Grundmotivation die Erfüllung darstellt, sollten die vier Dimensionen Geist, Körper, Emotion und Energie in Einklang gebracht werden.

Wann immer wir die Absicht fassen, uns selbst oder einen anderen darin zu unterstützen, diesen Einklang zu erreichen – völlig unabhängig davon was der Mensch verkörpert – dann pflegen wir auch die Würde.

Zu dem spektrumreichen Begriff Erfüllung möchte ich ein Gleichnis aus dem Hinduismus darlegen.

Krishna, einer der bekanntesten Reinkarnationen Gottes aus dem Hinduismus befand sich mit seinen Schülern auf einer Reise. Auf dem Weg machten sie Halt bei einer alten Frau und übernachteten dort. Die Frau war ­­­sehr bescheiden und erfüllte ihre spirituellen Pflichten aus tiefstem Herzen. Zu ihren einzigen Besitztümern zählte eine Kuh, die sie sehr liebte. Altersbedingt hatte sie jedoch Mühe sie zu pflegen.

Als Krishna am nächsten Tag im Begriff war seine Reise fortzusetzen, segnete er die alte Frau als Abschied, in dem er zu ihr sagte: „Möge deine Kuh sterben.“

Als nächstes hielten sie sich bei einem König/Fürsten auf, der in einem prachtvollen Palast, in einem großen Anwesen, wo es an nichts mangelte, lebte und rund um die Uhr von unzähligen Dienern umsorgt wurde. Beim Abschied segnete Krishna den König ebenfalls und zwar mit den Worten: „Möge deine Reichtümer sich vermehren.“

Die Schüler fanden die Äußerungen Krishnas widersprüchlich und sprachen ihn darauf an. Was Krishna hierzu geantwortet hat, möchte ich nicht erzählen.

Stattdessen stelle ich mir selbst, überspitzt die Frage, was zur Erfüllung eines hungernden Kindes in Afrika, eines Kindes aus einkommensschwachen Familien in Deutschland oder auch eines Immigrantenkindes und eines Menschen der in Saus und Braus lebt erforderlich ist. Und wie können wir sie auf ihrem Weg, im Hinblick auf Erfüllung würdevoll begegnen und unterstützen?

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